DIE WELTTRAUMFORSCHER
Das Wörterbuch der Welttraumforschung
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Karamel Kuh
Kurzes, hüpfiges, bretzelbergpopgeprägtes Instrumental auf der CD Vivinas Garten (2004), das gänzlich unerwartet kleine Karriere machte. Zum einen erschien es als drittes WTF-Lied überhaupt 2004 im Internet, veröffentlicht auf der www.interdisco.ch-Seite des gleichnamigen Basler Labels, zum anderen war es Anlass für ein niederländisches Label, sich bei den Forschern nach mehr Material im gleichen Tontakt zu erkundigen (was allerdings zu keiner Zusammenarbeit führte). Karamel Kuh ist ein gutes Beispiel für ein WTF-Stück, das sehr schnell und unüberlegt aufgenommen wurde - beinahe wie eine Skizze und ohne grosse Ambitionen. Eine Vorgehensweise, die vor allem während der Cassettenjahre gang und gäbe war und zu einem erstaunlichen Liederkatalog führte, der freilich im Archiv besser aufgehoben war als in den Ohren ahnungsloser Allerweltshörer.

Katzensee
Ein kleiner Waldsee, von den WTF 1991 für sich entdeckt, in der näheren Umgebung von Zürich, der eine grosse Rolle sowohl während der Entstehung des Albums Gold vom tiefen Himmel als auch von Sideria spielte und während dieser Zeit ein absoluter Lieblingsort der Forscher war. Das ging soweit, dass die WTF gerne einen Albumtitel für ihre erste CD gehabt hätten, in dem sich der Name dieses Sees verborgen hätte. So nannte sich damals eine Version Blau und Katzengold (schlussendlich hiess das Album dann aber Gold vom tiefen Himmel). Manchmal sagen die WTF auch Sideria, wenn sie den Katzensee meinen - es ist gewissermassen ein Ankerpunkt für diese Vision neben Plätzen wie Avebury oder die geheimen Orte, die für das 2000-Album Das Licht Loon so bestimmend wurden. Auf einer Führung durch prägende Orte der Welttraumforschung dürfte der Katzensee auf keinen Fall fehlen.

Katzorke
Katzorke verdankt seinen Namen einem unveröffentlichtem Stück mit dem Titel Kukleta und Katzorke, die Namen zweier Zahnärzte in Zürich, die in keinerlei Beziehung zu den Forschern stehen. Da sie aber ihre Praxen im gleichen Haus haben und ihre Namensschilder übereinander angebracht sind, dachten die Forscher, dass diese Kombination ein guter Titel für ein Stück abliefere. Später wunderten sie sich etwas, als sich neben ihnen der sechsjährige Sohn des Zahnarztes Kukleta zufällig zu erkennen gab. Katzorke aber katapultierte sich sofort nach der Herstellung von Kukleta und Katzorke zum Chef der Secret Wonder Records auf, deren bisher einzige Veröffentlichung Das LP-Projekt von 1987 ist. Seitdem ihm dort die Arbeit ausgegangen ist schreibt er für die Forscher Texte und wird nicht müde, sich in ihre Angelegenheiten einzumischen. So sind eine Reihe von Artikeln in Neues aus der Welttraumforschung mit seinem Namen gezeichnet und hin und wieder erdreistet er sich sogar, Briefe des MonifLabels in seinem Namen zu verschicken. Lange sah es nicht so aus, als wolle Katzorke die Geschicke des MonifLabels aus seiner Hand geben, was auch prompt im Juli 1989 zu einer beträchtlichen Kürzung des Gesamtprogrammes in seinem Namen führte. Anfang der neunziger Jahre wurde es dann still um Katzorke und spätestens mit Kip Eulenmeister, einem Nachfolge-Onkel oder Vetter von Katzorke, verschwand dieser Meister der Propaganda und des windschiefen Lebenstils von der Bühne der Welttraumforschung.

Kinder der Tiefe
Zeitgleich mit den Aufnahmesessions für Werkstatt Wasserstadt entstand im Herbst 1990 in sehr entspannten und zufallspilotierten Nachmittagssessions dieses zwanzigminütige Programm, das bis heute unveröffentlicht geblieben ist und aus verschiedenen, überarbeiteten Skizzen und Aufnahmen aus dem Ideenpark sowie neuen, dazwischen eingefügten Aufnahmen besteht. Die Länge ist für eine LP-Seite gedacht, doch bis heute fehlt die B-Seite zu Kinder der Tiefe, was sich aber ändern könnte, würden die Forscher dermaleinst ihre Arbeit an diesem Werklein fortsetzen.

Kip Eulenmeister ist zweifelsohne eine der schillerndsten und einflussreichsten Figuren, die je den Weg der Forscher kreuzten. Er tauchte völlig unvermutet in einer langen Märznacht des Jahres 1991 auf (für Astrologen: 27.März, 2 Uhr) und proklamierte mit geradezu unverschämter Selbstverständlichkeit die sogenannte Labilzone, durch die sich die Erde gegenwärtig auf ihrem Flug durchs Weltall bewege. Tatsächlich erlebten die Forscher einige der turbulentesten und unwirklichsten Monate in ihrem Leben, von da an stets begleitet von Kapitän Kip Eulenmeister, der den Kommentar zu dieser Zeit in einen Text kleidete, den wiederum die Welttraumforscher zu ihrer einzigen Single inspirierte (Kip Eulenmeister, MonifLabel PP027). Die Geschichte von Kip ist noch nicht erzählt, sagte einer der WTF in späterer Zeit. Aber sie liegt irgendwo im Wald begraben, den wir dermaleinst besuchen werden, sagt ein anderer Welttraumforscher. In einem Videoclip zur Single (der erste Clip der Forscher, die sich Anfang 1991 vorübergehend vorgenommen hatten, Popstars zu werden) trägt einer der dort zu sehenden Welttraumforscher übrigens den originalen (inzwischen verschollenen) Anzug von Kip. Der ominöse Inhaber desselbigen verschwand in den letzten Tagen des Dezembers 1991 und wurde seither nicht mehr gesehen. Aber Achtung, vielleicht hat er sich nur im Schrank versteckt. PS: Dem ist tatsächlich so, wie die Rückkehr von Kip im Jahre 1996 zwecks der Einrichtung von E.C.K.E. beweist.
Die Welttraumforscher
Kip Eulenmeister
Single / 1991 / Das MonifLabel PP027


Kip Eulenmeister Experience
Im November 2003 zusammen mit dem Gastmusiker Oliver Hofer gegründetes Musikduo, das sich zum Ziel gesetzt hat, vom Nichtspielen bedrohte WTF-Oldies in trashiger Grundausstattung als Vorgruppe bei WTF-Konzerten vorzutragen; ein Plan, der auf der Vivinatour von Februar 2004 verwirklicht wurde: Dort spielte Kip Eulenmeister Experience vier Lieder der WTF, die allesamt bereits aus dem Liveset gestrichen waren oder gar nie dafür zur Diskussion gestanden hatten (etwa ein klug versimpeltes Falschfarbenbrüder der Dunkelheit mit Alleinunterhalterarrangement mit einem Grundton über vier Minuten). Unter anderem spielte KEE (so die tolle Abkürzung) auch das völlig unvermeidliche Lied über Kip Eulenmeister selbst, womit sich der Gruppenname aber vortrefflich legitimieren liess und was man erst gar nicht einzustudieren brauchte, weil es sich schlicht und einfach um einen Standartsong handelt.

Kips weite Reisen
Titel der B-Seite der 1991 veröffentlichten Vinyl-Single Kip Eulenmeister. Ganz im Sinne der klassischen Single-Gestaltung, die auf der ersten Seite einen Monsterhit, auf der zweiten Seite aber einen belanglosen Füller setzt, ist Kips weite Reisen ein nettes Instrumental, belanglos und blumig zugleich, ein Liedchen, das man schnell wieder vergisst, das aber eine unbedingte Antipode zur A-Seite darzustellen bestens leistet. Immerhin realisierten die WTF zu diesem Lied ebenso wie zu Kip Eulenmeister einen Videoclip und präsentierten diesen auch zusammen mit einer Liveversion von Kips weite Reisen während ihrer 20JahreWTF-Tour im Jahre 2002. Der Videoclip wurde mit dem gleichen Personal wie der Clip zur A-Seite aufgenommen; statt in einem Keller spielt dieser aber in einem nächtlichen Garten mit einem gläsernen Gartenhaus und mit vielen leuchtenden Kerzen, die wunderbare Schleier durch die Videotechnikbilder der beginnenden neunziger Jahre ziehen.

Klingklangkaleidoskop, das
Ein mit allerlei Klimperblechen, Glöckchen und Schlaginstrumenten ausgerüsteter Handtuchständer, der vor allem auf dem unveröffentlichten Programm Kinder der Tiefe klimpernd und klingend eingesetzt wurde und inzwischen verschollen ist.

Klosterzelle, die
Nach ihrer erneuten übersiedlung nach Zürich im Spätherbst 1986 fanden die Welttraumforscher einen winzigen übungsraum in einem Keller im Rotlichtviertel von Zürich, den sie fortan Die Klosterzelle nannten. In ihm standen die rudimentäre Ausführung eines Schlagzeugs (Snare, Becken und eine Trommel) und ein kleiner Gitarrenverstärker. Hier nahmen die WTF während des Winters 1986/87 mit diesem Instrumentarium plus einem neu erstandenen Batteriesampler der ersten Stunde Lieder wie Toter Mann (veröffentlicht auf der ersten LP Aller Tage Abend) oder This Could Be The Greatest Love In Town auf. Die Klosterzelle wurde schon bald, im Sommer 1987, wieder aufgegeben und die Forscher machten sich daran, zuhause ihr Sternklang-Studio einzurichten.

Komka
Abkürzung für Kommunikationskaleidoskop, das in der Geschichte Lia und die Welttraumforscher auf Uranus wunderbar funktioniert; nur mit der irdischen Umsetzung will es noch nicht so richtig klappen. Ein Komka dient natürlich der Kommunikation, aber es verwandelt diese Kommunikation in etwas drittes, was weder der eine noch der andere Kommunikant geplant haben. Auf Uranus, wo die Technik ein Eigenleben entwickelt, kaum schliesst man sie ans Stromnetz an (allerdings gibt es dort auch keinen Strom sondern die sogenannte Loonenergie), hat das Komka seinen festen Platz im Gefüge und Gewirke der Informationen und Wirklichkeiten. Hier auf Erden sind Handys und Agenden so etwas wie die armseligen Surrogate dieser typisch uranischen Einrichtung.

Kornkreise
Es ist sehr schwer, den Einfluss zu ermessen, den die südenglischen Kornkreise auf die WTF ausgeübt haben - möglicherweise ist er weitaus geringer, als von den Forschern selbst angenommen. Tatsache ist, dass die Forscher von 1994 bis 2003 mit einer Ausnahme jeden Sommer in die südenglische Grafschaft Wiltshire reisten, um dort die sogenannten Kornkreise aufzusuchen und mit ihren Mitteln zu erforschen. Einen direkten Einfluss übten die geometrischen Gebilde in den Kornfeldern auf die Covergestaltung und das Konzept der dritten CD Leguan Rätselmann und seine geometrischen Lieder aus. Des weiteren erscheinen Flugaufnahmen von Kornkreisen aus den Jahren 1996 bis 1999 im Videoclip zu Weg zu dir (aus dem Album Das Licht Loon). Den Aspekt unerklärlicher Lichterscheinungen innerhalb von Kornkreisen nimmt das Album Das Licht Loon auf - was von den Forschern auch ausdrücklich deklariert wird (etwa im Text Die Forscher in den Kreisen, der im Bremer Musikmagazin Hayfever abgedruckt wurde und später auf die Website der Forscher kam). Es ist sehr interessant, dass die Forscher im Jahre 1990 nach vielem Suchen das Cover ihrer dritten LP Lia mit einem einzigen, grossen schwarzen Kreis füllten- möglicherweise eine spielerische Vorahnung auf das kommende Jahrzehnt der Kreise. Das Kreismotiv erscheint auf allen WTF-Covern von Lia (1990) bis mumu (1998). Danach lässt der Einfluss deutlich nach und auf den Covern von Werkstatt Wasserstadt (1999) und Das Licht Loon (2000) ist er ganz verschwunden.
Der Einfluss der Kornkreise auf die Welttraumforscher nimmt mit Ende der Neunziger Jahre - genauer mit der Sonnenfinsternis von August 1999 - deutlich ab. Schon beim Besuch im Jahr 2000 (es ist die achte Expedition nach Südengland) finden die Forscher eine veränderte Szenerie im Kornkreisland vor und reisen mit dem neuen Gefühl nach Hause, nichts wesentliches erlebt oder erfahren zu haben. Eine weitere, sehr kurze Expedition im Jahr 2002 bringt immerhin den Kontakt mit Ausserirdischen (in Form eines Kornkreises, der einen Alien und eine Datadisk darstellt) und was 2003 an Spukgeschichten anbietet (Schreie aus dem Nichts, Kobolde in der Nacht und unerklärliche, hausgrosse Schatten) bietet wahrlich Stoff für einen fabulösen kleinen Reisebericht. Nichtsdestotrotz sehen die Forscher die Jahre 1996-1999 als die goldenen Jahre der Kornkreise an und nie wieder hat sich das unglaubliche Gefühl wiederholt, das sie beim Besuch des wohl bizarrsten und unwahrscheinlichsten Kornkreises im Jahr 1996 (die dreiarmige Spirale von Windmill Hill in der Nähe von Avebury) empfanden und das wohl nur mit dem Besuch an Bord eines Ufos verglichen werden kann.
Zu einem kurzen Da capo, das zugleich den entgültigen Abschied der Forscher von den Kornkreisen bedeutete, kam es im Sommer 2004, als keine vierzig Kilometer vom Domizil der Welttraumforscher - theoretisch genau in Sichtlinie ihres Wohnzimmers - einer der ersten wirklich bedeutenden Kornkreise in der Schweiz erschien (in Thalheim), den die Forscher auch zwei Mal besuchten. Danach wurde die Akte Kornkreise in der Welttraumforschung nach elf Jahren geschlossen.

Kwipolalifa-Archiv
Soweit bekannt ein Schuhkarton mittelmässigen Aussehens, in dem die Forscher unveröffentlichte Cassetten und diverses Schrifttum lagern. Er sollte, so erwägten die Forscher ernsthaft, durch eine wertvoll gearbeitete Schatzkiste ersetzt werden, damit sie im Falle eines Zimmerbrandes zuerst gerettet werden würde. Bei dem Begriff Kwipolalifa handelt es sich ursprünglich um einen Willkommensgruss, der die Forscher erstmals auf dem Cover von Hundert Schritte durch Europa verwenden wollten. Kwipolalifa, so eine Auskunft der Forscher, bedeutet ins Deutsche übersetzt soviel wie Afilalopiwk. Mit der Einrichtung des Archiv der Tiefe verlor das Kwipolalifa-Archiv seine Bedeutung und ist heute so gut wie inexistent.
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